Damit Daheim-Betreuung funktioniert, muss das Zuhause mitspielen. Welche baulichen Anpassungen nötig sind, hängt stark von der Mobilität der betreuten Person ab – und davon, wie sich diese in den nächsten Jahren voraussichtlich entwickeln wird. Wer rechtzeitig plant, vermeidet teure Doppelumbauten und gefährliche Übergangsphasen.
Eine gute Faustregel: lieber eine Stufe vorausdenken, als der aktuellen Situation hinterherzurenovieren. Ein bodengleicher Duschbereich, der heute „noch nicht nötig“ wäre, ist morgen vielleicht der Unterschied zwischen Daheim bleiben und Heimeinzug.
Stufe 1 – mobil, aber unsicher
- Stolperfallen entfernen: lose Teppiche, Kabel, Schwellen.
- Helle, blendfreie Beleuchtung mit Bewegungsmeldern – besonders im Flur und im Bad.
- Haltegriffe an Toilette und Dusche, fest in der Wand verankert (nicht nur am Fliesenkleber).
- Rutschfeste Matten in Bad und Küche.
- Sitzgelegenheit im Eingangsbereich zum bequemen Schuhe-Wechseln.
Viele dieser Massnahmen kosten wenig, wirken aber sofort. Ein Sturz im Badezimmer passiert nicht in der Dusche, sondern beim Aufstehen vom WC oder beim Anziehen auf einem Bein.
Stufe 2 – Gehhilfe oder Rollator
- Türen ggf. verbreitern (mind. 80 cm lichte Breite).
- Schwellenlose Übergänge zwischen Räumen – auch zur Terrasse.
- Ebenerdige Dusche statt Wanne, mit Klappsitz und Handbrause.
- Treppenlift, falls Wohn-, Schlaf- und Sanitärräume auf mehreren Etagen liegen.
- Genügend Wendekreis im Bad und Schlafzimmer (mind. 120 cm).
Spätestens auf dieser Stufe lohnt sich eine Wohnberatung durch Pro Senectute oder eine ergotherapeutische Abklärung. Sie schauen mit geschultem Blick auf Wege, Lichtverhältnisse und Möbelhöhen, die im Alltag oft übersehen werden.
Stufe 3 – Rollstuhl oder Pflegebett
- Pflegebett mit Aufstehhilfe, Seitengittern und elektrischer Höhenverstellung.
- Lifter oder Rutschbrett für Transfers vom Bett in den Rollstuhl.
- Unterfahrbares Waschbecken, Sitzgelegenheit in der Dusche.
- Notrufsystem (Funkknopf, Smartwatch oder fest installiertes System).
- Genügend Platz für Hilfsmittel – Rollstuhl, Toilettenstuhl, Lifter.
Auf dieser Stufe wird das Zuhause zum Pflegeplatz. Es lohnt sich, Räume neu zu denken: Vielleicht zieht das Schlafzimmer ins Erdgeschoss, vielleicht wird das Wohnzimmer geteilt. Wichtig ist, dass die betreute Person nicht in einem „Krankenzimmer“ isoliert wird, sondern weiterhin am Familienleben teilhat.
Finanzierung
Viele Anpassungen werden anteilig durch Hilflosenentschädigung, Ergänzungsleistungen, IV-Hilfsmittel oder Pro Senectute mitfinanziert. Auch Krankenkassen übernehmen einzelne Hilfsmittel auf ärztliche Verordnung. Eine frühzeitige Abklärung lohnt sich – nachträgliche Kostengutsprachen sind erfahrungsgemäss schwieriger.
Welche Umbauten in Ihrem Fall wirklich Priorität haben, lässt sich am besten im Rahmen einer Bedarfsanalyse vor Ort einschätzen.