Mit zunehmendem Alter sinkt das Durst- und Hungergefühl. Mangelernährung und Dehydration sind häufige – und oft unterschätzte – Ursachen für Stürze, Verwirrtheit und Krankenhausaufenthalte. Studien zeigen, dass ein erheblicher Teil der über 80-Jährigen nicht ausreichend mit Eiweiss, Vitamin D und Flüssigkeit versorgt ist.
Hinzu kommen praktische Hürden: Einkaufen wird beschwerlich, das Kochen für eine Person allein lohnt sich gefühlt nicht, das Essen schmeckt anders als früher, vielleicht passt das Gebiss nicht mehr richtig. All das führt schleichend zu zu kleinen Portionen und zu eintöniger Kost.
Worauf zu achten ist
- Mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit pro Tag, sichtbar bereitgestellt – auch ungesüsster Tee, verdünnte Säfte, Bouillon.
- Eiweissreiche Kost (Quark, Eier, Fisch, Hülsenfrüchte, Käse) zum Erhalt der Muskelmasse.
- Lieblingsspeisen aus der Biografie wieder aufgreifen – Gerüche und Erinnerungen wecken Appetit.
- Mahlzeiten als sozialen Moment gestalten – gemeinsam essen statt allein vor dem Fernseher.
- Auf Mund- und Zahngesundheit achten: Schlecht sitzende Prothesen sind eine häufige Ursache für Gewichtsverlust.
Praktische Tipps für die Betreuung
Kleine Portionen über den Tag verteilt sind oft erfolgreicher als drei grosse Mahlzeiten. Smoothies, Suppen und angereicherte Speisen helfen, wenn der Appetit schwindet. Ein Esslöffel Rapsöl im Kartoffelstock, etwas Magerquark im Pudding oder Milchpulver in der Suppe erhöhen die Kalorien- und Eiweissdichte, ohne das Volumen zu vergrössern.
Trinken funktioniert am besten mit einem festen Ritual: ein Glas Wasser nach jedem Toilettengang, eine Tasse Tee zu jeder Mahlzeit, ein Glas neben dem Lieblingssessel. Wer wartet, bis Durst kommt, trinkt im Alter zu wenig.
Warnsignale ernst nehmen
- Ungewollter Gewichtsverlust von mehr als drei Kilo in drei Monaten.
- Locker sitzende Kleidung oder Ringe.
- Plötzliche Müdigkeit, Verwirrtheit, Schwindel – oft Hinweis auf Dehydration.
- Unregelmässiger oder dunkler Urin.
Wenn solche Warnsignale auftreten, lohnt es sich, die Ernährungssituation strukturiert zu erfassen – idealerweise als Teil einer Bedarfsanalyse, in die auch Hausärztin oder Ernährungsberatung einbezogen werden.